Lessons learnt? Runder Tisch der Thinktanks jetzt!

Eveline Lemke und Minister Untersteller

Im Gespräch mit Minister Untersteller

In Berlin trafen sich Mitte Oktober Expertinnen und Experten aus der Kunststoffindustrie und deren Umfeld zum BKV Symposium und diskutierten Fragen zur Produktverantwortung und Kreislaufführung von Kunststoffen. Als Gastredner war auch der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis90/Die Grünen) dabei. Es war spannend zu hören, wie indessen Vertreter auch aus großen Häusern der Kunststoffindustrie sich strategisch in Richtung Circular Economy aufstellen. Gleichzeitig fällt allerdings auf, wie wenig sie über den Tellerrand ihrer eigenen Industrie schauen. Dabei ließe sich mit einer Vernetzung über Branchengrenzen hinweg viel voneinander lernen, denn hinsichtlich der Themen zur Circular Economy geht es im Grunde stets um dieselben Herausforderungen.

 

Redner BKV Symposium

Rainer Mantel, Geschäftsführer BKV

Immerhin – die Kunststoffindustrie leistet sich mit der BKV GmbH, die zu dem Symposium eingeladen hatte, eine Art Thinktank für die Weiterentwicklung im Umgang mit Kunststoffabfällen. Das seit 25 Jahren bestehende Unternehmen, in dem Kunststofferzeuger, -verarbeiter, im Ansatz auch –recycler bis hin zum Kunststoffmaschinenbau vertreten sind, versteht sich heute als Kompetenzcenter ihrer Industrie. Inhaltlich befasst sie sich mit Fragestellungen der Kreislaufwirtschaft, der Optimierung der Kunststoffverwertung oder auch des globalen und bedrängenden Problems der Vermüllung der Meere mit Kunststoffabfällen (Stichwort: Marine Litter). Kürzlich hat die BKV gemeinsam mit einer Reihe von Institutionen und Verbänden der Kunststoffindustrie ein aktualisiertes Stoffstrombild für den Werkstoff herausgegeben, das unter anderem eine Recyclingquote von 46,5 Prozent ausweist – auch das war Thema in Berlin. Bei der Gesamtmenge an verarbeiteten Kunststoff machen die Recyclate 12,3 Prozent aus. Die hohe Recyclingquote hängt allerdings mit der in Deutschland noch üblichen Berechnungsmethode zusammen: Sie bezieht sich auf die Menge, die in einen Recyclingprozess hineingeht und nicht auf die, die als recycelter Kunststoff am Ende herauskommt. Der unterwegs anfallende Abfall landet dann ebenso wie die 52 Prozent der gesammelten Kunststoffabfälle im Ofen – mit mehr oder weniger effizienter Energieausbeute. Da ist, was die Diskussion um Circular Economy betrifft, die Angabe zum Recyclatanteil an der Kunststoffverarbeitungsmenge schon aussagekräftiger: nur 12,3 Prozent. Das ist in erster Linie nicht der recycelnden Industrie anzulasten, die nur wiedereinsetzbares Material aus Abfällen herstellen kann, die sich tatsächlich hochwertig recyclen lassen. Design for Recycling ist hier das Stichwort, das noch viel zu wenig Beachtung findet. Franz Untersteller brachte es bei der Veranstaltung in Berlin auf den Punkt: Was nütze denn eine hohe Verwertungsquote, wenn die Qualität nicht stimme und die Recyclate keine Märkte fänden?

 

Zuschauer BKV Symposium

Teilnahme an der Debatte beim BKV Symposium

Spätestens hier wird deutlich, was noch viel zu wenig stattfindet: Das Denken und Austauschen über Grenzen hinweg. Wenn jeder nur sein Feld bearbeitet, so honorig und erfolgreich das auch sein mag, wird es nicht gelingen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Und die lautet an dieser Stelle: Eine Kreislaufwirtschaft zu erreichen, die keine Abfälle mehr kennt. Doch dazu muss nicht nur die gesamte Wertschöpfungskette zusammenarbeiten. Um Gesamtzusammenhänge in den Bick zu bekommen, müssen branchenübergreifend Marktakteure, Denker und Querdenker, Entwickler und Ökonomen an einen Tisch. Ein Runder Tisch der Thinktanks – das wär’s. Wer macht den Anfang? Ich unterstütze gern.

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