Wer verbrennt schon Geld?

Peter Kurth, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) forderte gestern im Artikel der Welt „China war nie die Müllkippe der Welt“ die Neuausrichtung der Kreislaufwirtschaft. Auf das wichtigste Argument allerdings ist er überhaupt nicht eingegangen: Mit Müll lässt sich Geld verdienen, dabei treibt dies auch die Mitglieder in seinem Verband um. Hier meine kritische Betrachtung dazu:

 

Wer verbrennt schon Geld?

Seit kein Plastikmüll mehr nach China gehen darf, haben die Deutschen Abfallverbrenner kein Problem ihre Anlagen zu betreiben. Da sind sie allerdings die Einzigen. Mindestens 600.000 Tonnen gewerblichen Plastikmülls wurden laut Umweltbundesamt verschifft. Eveline Lemke, Wirtschaftsministerin a. D. sieht hier nur die Spitze eines Eisbergs einer Geldverbrennung, denn Müll hat einen erheblichen Wert. Das Problem können Politik und Industrie nur zusammen lösen:

 

Frage: Verbrennung statt Recycling, warum aber gibt es keine modernen Recyclinganlagen in Deutschland?

Lemke: Die deutsche Industrie hat noch nicht verstanden, welchen Wert der Müll tatsächlich hat. „Value from Waste“ ernst zu nehmen, wäre eine Mehrwert-Geschichte mit einem Wohlstandswunderformat der 50er-Jahre. Wenn Tetra-Pack wirklich recycelt wird, Kaffeekapseln vollständig in den Kreislauf zurückgeführt werden und auch Styropor nicht mehr verbrannt werden muss, sind wir weiter. Tatsächlich ist das technisch längst möglich. Ich begleite Start-Ups, die genau das machen, so wie die Firma FZ-Recycling. Und jetzt stellen Sie sich vor, neben dem Plastikmüll aus China würde uns Afrika noch den Elektroschrott zurückschicken? Wird es da nicht Zeit, dass wir auch Autos zu 100 % recyceln können. Mir ist auch nicht verständlich, warum auch die Chinesen den Wert der Plastikware nicht erkennen – außer, dass ihnen die Technologie zum Recycling fehlt. Aber die fehlt uns auch noch und dann ist es auch ein Marktproblem.

 

Frage: Ist nur die Technologie das Problem?

Lemke: Nicht nur. Der Markt für recycelte Kunststoffe ist völlig unterentwickelt und die Wiederverwendung noch nicht „sexy“. Die Vorstellung, dass ein Kunststoff in seinem zweiten Leben als Lebensmittelverpackung eingesetzt wird, ist für viele befremdlich. Auch fehlt es noch an Technologien zum wirklich intelligenten Recycling also – einem Materialupcycling. Die Materialqualität muss besser, d. h. Mensch und Natur freundlich werden, und nicht schlechter.

 

Frage: Wie können solche Technologien vorangebracht werden?

Lemke: Die Recycler müssen mit den Produktherstellern die Lösungen zusammen erarbeiten. Intelligentes Öko-Design, das von Qualität auch beim Recycling geprägt ist, macht das möglich. Sofern die neuen Produkte dann auch schön sind und die Menschen damit begeistert werden können, dann gibt es auch einen Markt dafür und damit neue Businessmodelle.

2 Kommentare
  • Michael Kleene
    Veröffentlicht 18:28h, 08 März Antworten

    Sie schreiben: „Wenn Tetra Paks wirklich recycelt werden … sind wir weiter“ und fragen sich, warum es in Deutschland keine „modernen Recyclinganlagen“ in Deutschland gibt. Auch wenn vieles, was Sie Ihrem Beitrag sagen, richtig ist, können wir Ihnen nur empfehlen, sich ein anderes Beispiel für ihre These zu suchen:
    1. Jährlich werden über 130.000 Tonnen Getränkekartons in deutschen Papierfabriken verwertet. Das entspricht eine Recyclingquote von über 70% bezogen auf die in Deutschland in Verkehr gebrachte Menge.
    2. Alle Verwertungsbetriebe setzen modernste Technik ein, um die Papierfasern vom PE-/Al-Verbund zu trennen.
    3. Die Faserstoffausbeute liegt zwischen 65 und 70%. Glauben Sie bitte nicht alles, was die „Deutsche Umwelthilfe“ über die Materialzusammensetzung des Getränkekartons und die Stoffverluste beim Recycling etc. verbreitet.
    4. Die nach Abtrennung der Fasern verbleibenden PE-/Al-Reststoffe werden überwiegend in Zementfabriken thermisch verwertet. Wenn für Sie „wirkliches Recycling“ erst bei Stoffausbeuten von oberhalb 90% anfangen sollte, werden Sie feststellen müssen, dass selbst Recyclinprozesse von Monomaterilien da häufig nicht herankommen.
    5. Es hat in Deutschland einige Anlagen gegeben, die diese Reststoffe stofflich verwertet haben. Diese haben aber aus wirtschaftlichen Gründen die Verwertung eingestellt. Genauso, wie hohe Rohölpreise Innovationen und Investitionen in Recyclinganlagen fördern, so bewirken niedrige Preise das Gegenteil: Der Preisverfall auf dem Rohölmarkt setzt auch Anlagen, die Kunststoff-Aluminium-Reststoffe aufbereiten, unter Druck. Die Recyclat-Preise folgen stets dem Trend der Primärware. Sie machen es sich mit Ihrer These „die deutsche Industrie hat noch nicht verstanden, welchen Wert der Müll tatsächlich hat“ wirklich zu einfach.
    6. Auch Ihre These, dass den „Chinesen die Technik zum Recycling fehlt“ trifft – zumindest, soweit es die Reststoffe aus der Getränkekartonaufbereitung betrifft – nicht zu: Dort wurden lange Zeit Folienreste aus Deutschland in einer 30.000-Tonnen-Anlage verarbeitet, die PE und Alu mit einem patentierten Verfahren trennt.
    7. Es wird Sie vielleicht freuen zu hören, dass voraussichtlich noch in diesem Jahr in Deutschland eine Recyclinganlage für diese Reststoffe in Betrieb gehen wird. An Erfindergeist mangelt es uns in Deutschland jedenfalls nicht. Dass Investoren in einem schwierigen Marktumfeld kein Geld verbrennen wollen, dürfte Ihnen als ehemalige Wirtschaftsministerin auch klar sein.

  • Eveline Lemke
    Veröffentlicht 19:22h, 09 März Antworten

    Sehr geehrter Herr Kleene,
    ich freue mich, dass Sie auf meinen Artikel aufmerksam geworden sind und dass wir im Dialog sind. Möglicherweise hat der zugegebenermaßen provokante Titel dazu auch etwas beigetragen, denn an Geldverbrennung ist weder mir noch Ihnen gelegen.

    Sicher teilen Sie mit mir die Vision einer Welt, in der Recycling immer mit einem „up“ verbunden ist. Die Kreislaufwirtschaft funktioniert dann, wenn wir Upcycling beherrschen, um Bauteile oder Material zurückzugewinnen. Das ist doch unser gemeinsames Ziel und wie Sie selber schreiben ist auch nicht außer Reichweite. Das thermische Verwerten von Aluminium im Zement scheint mir aber doch eine unzeitgemäße Ressourcenverschwendung zu sein.

    Ich freue mich auf unser weiteres Gespräch,
    Ihre Eveline Lemke

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