Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen – Klimaschutz mit Hindernissen

Rednerinnen und Redner des VPP-Events (v.l.n.r.): Achim Schröder, EFA-S, Reinhardt Ritter, EFA-S, Hartmut Bauer, EGS, Robert Domina, Huss Verlag, Robert Orten, Rolf Meyer, Meyer & Meyer Gruppe, Wolfgang Wüllhorst, BSR, Eveline Lemke, Thinking Circular, Erich Kielhorn, Forschungszentrum Jülich, Abhay Firodia, Force Motors Ltd., Frank Müller, BV eMobilität

Das gerade von der Bundesregierung verkündete Klimaschutzpaket mobilisiert Innovationen. Einen Auftragszuwachs um 70 % beim elektrischen Retrofit von Diesel Nutzfahrzeugen im Rücken hatte die ORTEN Gruppe zum VPP-Event nach Bernkastel-Kues geladen. Zusammengefunden haben sich Kunden und Lieferanten der Gruppe, um die nächsten Schritte auf dem Weg zur Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen zu beleuchten. Die rund 100 teilnehmenden Fachleute diskutierten die aktuellen Chancen und damit verknüpfte Maßnahmen sowie Technologien genauso wie Finanzierungsfragen.

Retrofit – ein neues Leben für alte Diesel LKW

 

Mit ca. 350 Mio. Euro Umsatz bis 2025 und rund 120 Mitarbeitern will die ORTEN Gruppe noch einmal um 20 % wachsen, denn die Elektromobilität boomt. Mit ORTEN ELECTRIC TRUCKS wächst die Orten Gruppe in die Hochtechnologie und mit dem Verfahren Retrofit, in dem LKW auf elektrische Antriebe umgerüstet werden, tragen sie zur Materialschonung bei. Der zirkuläre Gedanke des Verfahrens sichert Rohstoffe. Das ist in Zeiten von Wegwerfmentalität eine geniale technische Fortentwicklung der Lebensdauer von Investitionsgütern, die uns Menschen jeden Tag dienen. Bei ORTEN kaufen die Berliner, Frankfurter oder Lüneburger Stadtwerke ein, die riesige Fuhrparke mit unterschiedlichen Nutzfahrzeugen managen. Seit der Ankündigung der Bundesregierung im Klimapaket, dass die Kommunen entscheiden sollen, wie sie den Emissionsschutz in ihren Städten regeln wollen, wissen gerade die öffentlichen Gesellschaften, dass es dringend Zeit ist, auf emissionsfreie Technologien umzustellen. Insgesamt muss sich die Logistikbranche auf harte Zeiten in den Städten gefasst machen, nicht nur Stickoxyde, Feinstaub oder Lärm sind adressierte Problememissionen, auch das Management von Verkehr in übervollen Straßen stellt eine Herausforderung für die Logistikbranche dar.

Insgesamt war der Tenor der betroffenen Branche, dass die Förderung der Ladeinfrastruktur nicht ausreichend sein wird. Ferner konnte sogar das Forschungszentrum Jülich nicht mitteilen, wann die nächsten Fördertöpfe für Innovationen sich öffnen. Auch wenn die Worte der Bundesregierung in Richtung Klimaschutz wohlwollend klingen, konkrete Maßnahmen für Innovationen auf dem Weg zur E-Mobilität gibt es nicht.

Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Ziele

 

Kollegen aus Indien beobachten die Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland genau, so der führende Hersteller von Nutzfahrzeugen, Dr. Firodia von Force Motors bei ORTEN.

Die Bundesregierung hat sich auf die Fahne geschrieben, die Akzeptanz für Elektromobilität durch Förderung in der Anschaffung von Elektroautos zu erhöhen. So wurde der schon bekannte Zielkorridor von 7 bis 10 Millionen zugelassenen Elektro-Fahrzeugen bis 2030 im Klimaschutzprogramm übernommen. Nur glauben wollen die Teilnehmenden der VPP-Veranstaltung diesem Zielkorridor nicht.

Zudem soll das Personenbeförderungsgesetz derart novelliert werden, „dass Länder und Kommunen Emissionsanforderungen für Busse, Taxen und Mietwagen“ festlegen können. Es wäre also denkbar, dass Großstädte wie Berlin oder Hamburg ab einem bestimmten Stichtag nur noch elektrischen Fahrzeugen dieser Art eine Betriebsgenehmigung erteilen. Ferner soll die „Modernisierung und klimaschonende Umrüstung von Busflotten“ weitergehen und insbesondere die Förderung von Bussen mit Elektro- und Brennstoffzellen-Antrieb verstärkt werden. Konkreter wird das Papier der Bundesregierung leider nicht. Auch hierzu herrscht in der ORTEN Gruppe und bei den Gästen Zweifel vor.

Wie insgesamt die CO2-Reduktion im LKW-Verkehr so bis ins Jahr 2030 um „etwa ein Drittel der Fahrleistung im schweren Straßengüterverkehr elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe“ erfolgen soll, ist den Teilnehmenden in der Veranstaltung gänzlich schleierhaft geblieben.

Eines jedoch ist für alle klar. Wer heute nicht investiert und bei der Elektrifizierung mitgeht, der wird morgen am Markt keine Rolle mehr spielen.

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